Les Bancau d‘Aubune und Les Bancau de la Coste als Beispiele


Der Terrassenanbau, wie er auf La Coste, dem Südhang des Plateaus Les Courens praktiziert wurde und auf dem vorgelagerten Landstreifen (piémont) westlich von Aubune, ist eine altüberlieferte Bewirtschaftungsweise, wie sie bereits die Galloromanen kannten. Sie passte sich gut den Gegenheiten des mediterranen Lebensraums an und war gut geeignet für ein Einsatz von Zugtieren mit sicherem Tritt, wie Esel oder Maultiere mit leichtem Geschirr. Die Terrassen wurden auf provenzalisch bancau (banquette - Bankett) genannt oder faïsses (bandes de terres - Streifen Land). Das Wort restanques (vom provenzalischen restanca: retenir – zurückhalten) war für die Steinmauern, die sog. Trockenmauern reserviert, die diese Terrassen befestigten.

Nun verfuhr die traditionelle provenzalische Landwirtschaft, die weitgehend autark war, in der Weise, dass sie die Flächen auf denen (Weizen) gesät wurde, ein übers andere Jahr brach liegen ließ. Als dann die Bevölkerung zunahm, wie es im 18. Jh. und in der ersten Hälfte des 19. Jh. der Fall war, mussten also neue Parzellen gewonnen werden, auf Flächen, die weniger günstig waren als die in der Ebene. Die Trockenmauern von La Coste und d‘Aubune sind zweifellos sehr alt, aber so wir sie heute sehen, stammen sie wahrscheinlich aus dieser Zeit. Dies bestätigt uns eine Jahreszahl – 1772 – die wir zweimal im Osten von La Coste in den Felsen und in eine Mauer eingeritzt finden.


Auf den Terrassen wurden sowohl Weizen als auch Oliven als auch Wein angebaut und in quadratischen Pflanzkästen auch Gemüse. Die Olivenbäume und die Weinstöcke wurden häufig dazwischen gepflanzt, ebenso der Weizen: eine Art der Mischkultur die ouillères genannt wurde. Das Kataster von Beaumes aus dem 17. Jh. erwähnt bewirtschaftete Flächen und Weinanbau im Bereich von La Coste. Ab 1857 wurde die Landwirtschaft um Beaumes, dank des Baus des Bewässerungskanals von Carpentras, vielfältiger und verlagerte sich auf den intensiven Obst- und Gemüseanbau, der für den Verkauf und die Versorgung großer Städte bestimmt war. Die großen landwirtschaftlichen Krisen der 1860er Jahre (ausgelöst durch Reblaus, Pébrine-Krankheit der Seidenraupe, die Verdrängung des Färberkrapp durch Alizarin) beschleunigten den Prozess des Niedergangs der extensiven traditionellen Landwirtschaft. Die Anbauterrassen von La Coste und Aubune waren damals dem traditionellen Olivenanbau vorbehalten aber auch einer ganz eigenen Form des Anbaus in den Trockenmauern. Dort waren Muscat-Reben und Kapernsträucher in die Mauern gepflanzt und reiften in der Wärme der Steine.


Nach dem Erfrieren der Olivenbäume 1956, und vor allem ab der 1970er und 80er Jahre, wurden diese Anbauterrassen mehr und mehr vernachlässigt und wandelten sich in Brachen zurück. Aber die Steinmauern blieben größtenteils erhalten, und Olivenbäume, die besonders widerstandsfähig waren, haben in verwilderter Form überlebt. Heute erweckt der Verein Les Courens, mit Unterstützung der Gemeinde, diesen Ort wieder zu neuem Lebe, macht wieder urbar und erneuert die Trockenmauern, bringt die Olivenbäume wieder in Form, experimentiert beim Anbau, zusammen mit lokalen Unterstützern, mit Schulen und Berufsfachschulen.



Trockenmauern und Wasser

Woher stammten die Steine, die man zum Bau der Trockenmauern benötigte?

Es wurden vor allem Steine zusammengetragen, die rundherum zu finden waren. Zugleich nutzte man die am Hang gelegenen kleinen Steinbrüche, für den Bau der Bauernhäuser in der Umgebung. Übrigbleibende Steine verwendete man für dien Bau der Terrassen, ebenso grob behauene Blöcke, die für die Fundamente und als Ecksteine genutzt wurden. Es entstanden auch Steinhütten für die Bauern und die Schäfer, und man baute Treppen aus Steinblöcken, um den Zugang zu den Terrassen zu erleichtern. Über die Terrassen von La Coste führte eine Viehtrift, die die Schafe und Ziegen zur Brèche du Défens und zu den Weiden von Durban führte. Diese Route wurde bereits in der Satzung von Durban von 1429 und der von Beaumes aus dem Jahr 1464 erwähnt.

Die Trockenmauern spielten eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushalts auf den Hängen. Man benutzte die Technik des „massacan“. Das Wort ist italienischen Ursprungs. Es wurde bereits im Mittelalter von den Maurern verwendet und bedeutet Kies. Im Vaucluse sind hiermit näherhin die Feldsteine (cailloux) gemeint, mit denen die Zwischenräume in den Trockenmauern aufgefüllt werden. Die hinter den Mauern angehäuften Steine waren wichtig, um die erosiven Kräfte einzudämmen. Das Wasser wurde hierdurch auf den Terrassen zurückgehalten und bildeten eine Reserve für den trockenen Sommer. Dann sickerte es langsam durch die Mauern in die darunter liegende Terrasse ein. Die Erosion wurde verlangsamt, und die vom Frost stammenden Überreste, vermischt mit Erdreich, lagerten sich auf den Terrassen ab und reicherten den mageren Boden an. Das erklärt, warum die oberen Terrassen, die weniger Erosionsmaterial enthielten, als erste aufgegeben wurden.

Mitunter ritzte man schmale Spalten in den Aufschluss des Kalksteins, um das Wasser abzuleiten und in darunter liegenden Wasserspeichern weiterzuverwenden. Unten an den Abhängen grub man auch sog. tunes, kurze Stollen in die angeschwemmten Ablagerungen, um mittels Kapillarität weiteres Wasser zu sammeln und es auf den unterhalb gelegenen Kulturen zu nutzen.


Steinbruch Spur des Abbaus



Spalt für den Wasserablauf in den Fels gegraben



Trockenmauer am Berghang des Verger d‘Aubune


Treppe in der Terrassenanlage von La Coste


Man erkennt welch große Bedeutung diese Terrassen (wenn sie gepflegt sind) im Kampf gegen die Erosion und für den Schutz des Wassers haben, aber auch für den Schutz der Weinberge und Olivenhaine, die unterhalb, in dem dem Bergzug vorgelagerten Gebiet gelegen sind. Sie befinden sich in einer Region, wo die Gewalt von Gewitter und Regen zerstörerische Wirkung haben kann, so wie bei den enormen Überschwemmungen 1992. Hervorzuheben ist ebenfalls ihre Bedeutung im Kampf gegen Brände.

Durch ihren Nutzen und durch ihre Schönheit bildet diese Landschaft der Trockenmauern von La Coste und Aubune ein reiches kulturelles Erbe. Die Einrichtung eines verger conservatoire, einer der Erhaltung und dem Schutz dienenden Gartenanlage, an diesem Ort wird sie neu beleben.


Dominique Tissot


Übersetzung : Ingeborg Hompesch-Cornetz

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